Lobo auf der #rp14: Netzgemeinde, sei zornig und spende!

Lobo Republica14

Lobo und die Netzgemeinde

Heute war ich zum ersten Mal auf der re:publica und trotz oder grade wegen der schier unüberblickbaren Menge an Vorträgen, Infoständen und Workshops war ich doch die meiste Zeit im Hof und habe mit alten und neuen Bekannten der Netzgemeinde geschnackt. Okay, einmal war ich kurz drin um mir “The Hoff” on stage anzusehen, war aber Quatsch. Surprise. Als jedoch kurz vor halb 5 eine allgemeine Herdenbewegung gen Hauptsaal losschwappte, habe auch ich mich dem Strom der Masse angeschlossen und noch so grade einen der letzten Plätze ergattert. Der Sall war proppenvoll – den Lobo mit seiner “Rede zur Lage der Nation” wollte sich dann doch keiner entgehen lassen.

Liebe #Wutnetzbürgerinnen und #Wutnetzbürger

Nachdem Deutschlands Netzversteher (“völlig zu Unrecht als Schimpfwort verwendet”) seit Mitte 2013 seine regelmäßige SPON-Kolumne ausschließlich den Snowden-Enthüllungen gewidmet hat, war der Schwerpunkt der Rede vorhersehbar. Trotzdem gelang es Lobo dem Publikum eine gutgemeinte aber dennoch nachdrückliche Watschen zu verpassen. Für etwas mehr als eine Stunde wurde das Sprecherpult zur Kanzel und die Gemeinde auf das kommende Jahr Digitalaktivismus eingeschworen.

Im ersten Teil der Ansprache lässt Lobo sogleich den Klingelbeutel rumgehen und brachte einen Vergleich, der sich an die kürzlich veröffentlichten Studie zum Stand der digitalen Zivilgesellschaft von Leonhard Dobusch lehnte: Während der Bayerische Landesbund für Naturschutz es schafft durch die Spenden unserer Elterngeneration mehr als 70 Vollzeitmitarbeiter zu beschäftigen, sind deutsche Netz-NGOs chronisch unterfinanziert. Unseren Eltern sind Schnepfen wichtiger als uns das Internet. Lobos Aufruf: Spendet selbst und vor allem motiviert eure Eltern, Großeltern zum Spenden.

Im zweiten Teil seiner Predigt gibt Lobo einen eingedampften Abriss der Geschehnisse seit Auftauchen der ersten Snowden-Dokumente. Da das vorbereitete Video nicht funktionierte bekam der Teil den Charme eines old-school Spoken-Word Auftritts. Eigentlich ganz geil, wäre es nicht so traurig. Nachdem in der ersten Hälfte die Netzgemeinde (“das Wort hat doch eine schöne Piefigkeit”) einen mitbekam, sind nun “die da oben” dran. Mit der ein oder anderen Witzchen verweist er auf die Verfehlungen der Politik und ruft die Zuhörer dazu auf, die öffentliche Debatte deutlich aggressiver als bisher zu framen. Seine Weapon of Choice: Hashtags wir #spitzelattacke statt #NSAaffäre.

Lobo der Internetminister d.E.

Nach einem etwas holprigen Ausflug in die digitale Zukunft deutscher Großkonzerne (“VW muss zum Softwarekonzern werden, weil Navis schrott”) endet Lobo mit einer Warnung: Wenn ihr euch nicht erhebt spricht halt der Hirte ganz alleine und stellvertretend für die Herde. Mit seinen neusten Errungenschaften, den Domains netzgemeinde.de und internetministerium.de sei er dafür bestens gewappnet.